Vermögensaufbau

Das Target-2-System ist eine tickende Zeitbombe

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Entgegen aller Schönwetter-Propaganda herrschen im Euro-System nach wie vor allergrößte Verwerfungen und Spannungen. Im System der Target-Salden schlummern für Deutschland Risiken, die sich der Billionen-Euro-Grenze nähern. Wie aus neuen Daten hervorgeht, haben die Ungleichgewichte im Zahlungssystem der europäischen Notenbanken mit dem sperrigen Namen Target-2 einen neuen Rekord erreicht. Zuletzt berichteten wir vor etwa einem Jahr über die uneinbringlichen deutschen Target-2-Forderungen (siehe Ausgabe 03/2017). Seitdem sind diese um weitere 110 Milliarden Euro angewachsen. Ein Ende dieser gefährlichen Entwicklung ist nicht in Sicht. Deshalb wollen wir heute dieses wichtige Thema aktualisieren.

Target2-Balances

Uneinbringliche Forderung der Deutschen Bundesbank:  923 Milliarden Euro 

Target-2-Schulden der Notenbanken von Spanien 380 Milliarden Euro und

Italien 450 Milliarden Euro

 

Was sind Target-2-Forderungen?

Target-2 ist ein Zahlungsverkehrssystem, über das grenzüberschreitende Zahlungen in Zentralbankgeld schnell und endgültig abgewickelt werden. Das hört sich sehr harmlos an. Faktisch ist das Target-2-Zahlungsverkehrssystem allerdings ein verdecktes Staatsfinanzierungsprogramm und Kreditsystem zur Rettung der EU und des Euro. Es hält die EU, den Euro und das Euro-Bankensystem noch am Leben. Seit mehr als drei Jahren explodieren die Target-2-Salden durchschnittlich um 25 Prozent jährlich. Das Target-2-System ist eine tickende Zeitbombe.

Die Target-Salden zeigen die Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen den nationalen Notenbanken im Euro-System, an dessen Spitze die EZB steht. In diesem elektronischen Buchungssystem wickeln die Zentralbanken grenzüberschreitende Zahlungen ab. Die Deutsche Bundesbank ist per 31. März 2018 mit 923 Milliarden Euro der größte Gläubiger in diesem System. Auf der Gegenseite rangieren Italien mit 450 Milliarden Euro und Spanien mit 380 Milliarden Euro als  größte Schuldner.

Etwa die Hälfte des durch die Exportüberschüsse akkumulierten deutschen Auslandsvermögens besteht aus  Target-Forderungen der Bundesbank. Das heißt beispielsweise, die Bundesbank hat einen Teil der Autos kreditiert, die wir ins Ausland liefern, und sie bekommt dafür nur unverzinsliche Forderungen gegen das Eurosystem, die sie nie fällig stellen kann!

Da ist hintenrum eine Umverteilung eingeführt worden. Die Vermögensverlagerung läuft von den Ländern mit positivem Saldo zu denen mit negativem Saldo. Unverzinsliche, nicht fällig zu stellende Forderungen an die EZB sind nicht mal erzwungene Kredite, sondern erzwungene Geschenke. Die deutsche Geschenkpackung ist bald 1 Billion Euro groß. Am bedenklichsten ist, dass das offensichtlich niemanden in der deutschen Regierung interessiert.

Die Target-2-Salden sind symptomatisch für die Subventionierung der Euro-Krisenländer durch die EZB auf Kosten der Euro-Länder, die einen positiven Target-2-Saldo ausweisen – allen voran Deutschland. Die immensen Target-2-Forderungen, die Deutschland aufgebaut hat, sind durch keinerlei Sicherheiten gedeckt!

Das Target-2-System ist für die Euro-Südstaaten wie eine goldene Kreditkarte. Damit können sie bei uns Waren nach Herzenslust kaufen. Den Kaufpreis müssen sie nicht bezahlen, sondern können unbegrenzt anschreiben lassen und Deutschland feiert seine angeblichen Exporterfolge. Das ist so, als würde ein Kneipenwirt jeden Gast unbegrenzt anschreiben lassen und sich über die stetig wachsenden Umsätze freuen. Irgendwann ist dieses Spiel aus.

Mit dem Target-2-System werden deutsche Exporte in den Süden der EU finanziert. Das heißt, wir geben den Südländern das Geld, mit dem sie unsere Produkte kaufen können. Deutschland könnte seine Exporte in die Eurozone genauso gut verschenken, weil es die Forderungen nicht fällig stellen kann und auch nicht bezahlt bekommen wird.

Warum stiegen die Target-2-Forderungen in den letzten drei Jahren so stark an?

Zuletzt stiegen die Target-2-Forderungen der Bundesbank vor allem wegen dem gigantischen Anleihen-Kaufprogramm der EZB. Diesen Umstand wollen wir heute näher beleuchten:

In den letzten drei Jahren hat die EZB im Rahmen ihres Anleihen-Kaufprogramms Staats- und Unternehmensanleihen gekauft. Damit will sie die Geldmenge ausweiten, die Zinsen niedrig halten und eine Teuerungsrate von etwa zwei Prozent erzeugen. Selbstverständlich will die EZB mit diesen Maßnahmen auch die Staatspleite Italiens vertuschen. Dabei kauft sie die Anleihen nicht selbst, sondern beauftragt ihre „Filialen“, die nationalen Notenbanken, Anleihen zu kaufen.

Die Logik der Anleihenkäufe lässt die Target-2-Salden anschwellen

Die Verkäufer dieser Anleihen haben häufig bei der Deutschen Bundesbank ein Referenzkonto. Wenn die italienische Notenbank beispielsweise von einer japanischen Versicherung italienische Staatsanleihen kauft, zahlt die Deutsche Bundesbank „das Geld“ an den Verkäufer. Zum leichteren Verständnis: Bei einer Überweisung fließt kein echtes Geld, sondern es werden nur Forderungen und Verbindlichkeiten gebucht.

So sieht das dann so aus:

Die italienische Zentralbank (Banca d’Italia) kauft einer japanischen Versicherung italienische Staatsanleihen ab. Die japanische Versicherung hat in unserem Beispiel ein Bankkonto bei der  Commerzbank in Deutschland.

Die Bezahlung des Kaufpreises erfolgt in vier Schritten:

  1. a) Das Konto der italienischen Zentralbank bei der EZB wird belastet.

    (Der negative Target-2-Saldo erhöht sich).

  1. b) Das Konto der Bundesbank bei der EZB erhält eine entsprechende Gutschrift.

    (Der positive Target-2-Saldo erhöht sich – die Forderung der Bundesbank nimmt somit zu).

  1. c) Das Konto der Commerzbank bei der Bundesbank erhält eine Gutschrift
  1. d) Das Konto des Anleihen-Verkäufers (japanische Versicherung) bei der Commerzbank erhält eine Gutschrift.

Dieser Ablauf der Überweisung wurde vereinfacht dargestellt.

Auswirkungen:

  1. Wenn die italienische Zentralbank von privaten Gläubigern italienische Staatsanleihen kauft, dann bewirkt sie de facto eine Entschuldung ihres Staates
  1. Die Target-2-Verbindlichkeit der italienischen Zentralbank nimmt zu, siehe oben (a)
  1. Die Target-2-Forderung der Bundesbank nimmt zu, siehe siehe oben (b)
  1. Für Italien ist dies ein absolut prächtiges Geschäft, denn Italien tauscht eine verzinsliche, mit einer Fälligkeit ausgestattete Verbindlichkeit, die im Besitz eines potenziell lästigen Privatinvestors war gegen eine unverzinsliche, niemals fällig zu stellende Buchschuld, die jetzt in den Besitz der italienischen Notenbank übergegangen ist, aus.

Für den deutschen Steuerzahler wird dieses Target-2-Zahlungsverkehrssystem im Desaster enden, da offensichtlich viele Verkäufer von Anleihen, entweder ein Konto direkt bei der Deutschen Bundesbank unterhalten oder bei einer deutschen Geschäftsbank, wie im obigen Beispiel.

So treiben die Anleihen-Käufe der nationalen Notenbanken, die uneinbringlichen Forderungen der Deutschen Bundesbank schon bald über die 1-Billion-Euro-Grenze. Im letzten Jahr betrug der Zuwachs an wertlosen Forderungen für die Deutsche Bundesbank etwa 150 Milliarden Euro.

Sollte Italien, beispielsweise aufgrund eines Referendums oder einer Staatspleite, in den nächsten Jahren aus dem Euro aussteigen, dürfte das Ende der Eurozone besiegelt sein. Das Gleiche gilt natürlich auch für den anderen Großschuldner Spanien. In diesem Fall hätte die Bundesbank eine Billionen-Euro-Forderung gegen ein Eurosystem, das es dann nicht mehr geben wird.

Die Bundesbank müsste ihre Forderung abschreiben. Dadurch wäre ihr vergleichsweise mickriges Eigenkapital von rund 120 Milliarden Euro vernichtet und die Bundesbank wäre pleite. Hierzu wird es aber nicht kommen, denn die Staatsbürger, bürgen automatisch für ihren Staat. Dieser holt sich  den Fehlbetrag von seinen Bürgern in Form von Steuererhöhungen oder Zwangsabgaben (Beispiel Lastenausgleichsgesetz) und stattet seine Notenbank wieder mit frischem Eigenkapital aus.

Deshalb wäre es dringend erforderlich, dass die Regierung nicht tatenlos zusieht, wie die uneinbringlichen Target-2-Forderungen der Bundesbank Monat für Monat stetig weiter steigen, als ginge sie das nichts an. Geschworen hat die Regierung zwar, Schaden vom deutschen Volk abwenden zu wollen, nur entsprechende Taten sind leider nicht zu erkennen! Die Wahlverlierer der letzten Bundestagswahl haben mittlerweile wieder eine neue Regierung gebildet und einen Koalitionsvertrag ausgehandelt, in dem die fortlaufende Enteignung des deutschen Volkes durch Target-2 überhaupt keine Erwähnung findet.

Noch ein weiteres Beispiel wie durch Target-2 das Vermögen der Deutschen geplündert wird:

Eine italienische Privatbank kommt auf die Idee, sich Aktien zu kaufen. Da der Verkäufer der Aktien,  sein Konto bei einer deutschen Geschäftsbank oder bei der Bundesbank unterhält, läuft die Bezahlung des Kaufpreises wie folgt ab:

  1. a) Das Konto dieser italienischen Privatbank bei der italienischen Zentralbank wird belastet. Dafür bekommt die italienische Privatbank die Aktien.
  1. b) Das Konto der italienischen Zentralbank bei der EZB wird belastet.

    (Der negative Target-2-Saldo erhöht sich).

  1. c) Das Konto der Bundesbank bei der EZB erhält eine entsprechende Gutschrift.

    (Der positive Target-2-Saldo erhöht sich – die Forderung der Bundesbank nimmt somit zu).

  1. d) (Der Aktienverkäufer hat auch in diesem Beispiel sein Depot wieder bei der Commerzbank)

    Das Konto der Commerzbank bei der Bundesbank erhält eine Gutschrift

  1. e) Das Konto des Aktienverkäufers bei der Commerzbank erhält eine Gutschrift,

    dafür verliert er seine Aktien an den Käufer (italienische Privatbank).

Dieser Ablauf der Überweisung wurde absichtlich wieder vereinfacht dargestellt.

Auswirkungen auf die Target-2-Salden:

  1. Die Target-2-Verbindlichkeit der italienischen Zentralbank nimmt zu, siehe (b).
  1. Die Target-2-Forderung der Bundesbank nimmt zu, siehe (c).

Weitere Auswirkungen: 

  1. Die italienische Privatbank kann sich mit einem zinslosen Kredit, den sie von der italienischen Notenbank bekommt, Aktien kaufen. Dadurch generiert sie stetige Dividenden-Einnahmen.
  1. Die italienische Notenbank erhöht ihre zinslose Verbindlichkeit bei der EZB. Sie braucht keinerlei Sicherheiten hinterlegen und die EZB kann den Kredit nie fällig stellen! Das sind für die Euro-Südstaaten Zustände wie im Schlaraffenland!
  1. Obwohl die Bundesbank mit diesem Aktiengeschäft nichts zu tun hat, ist sie systembedingt der Bezahler des Kaufpreises für diese Aktien. Dafür bekommt sie eine Forderung, die zinslos und ungesichert ist und die sie nie fällig stellen kann – kurz: diese uneinbringliche Forderung ist de facto ein Geschenk des deutschen Steuerzahlers an die italienische Privatbank!

Zusammenfassung und Ergänzungen:       

  1. Spätestens wenn einer  der  beiden  Großschuldner (Italien 450 Milliarden Euro oder Spanien 380 Milliarden Euro) das Eurosystem verlässt, muss die Bundesbank ihre uneinbringliche Target-2-Forderung abschreiben. Dadurch würde das Eigenkapital der Bundesbank von rund 120 Milliarden Euro vernichtet und sie wäre pleite. Deshalb wird sie der Staat wieder mit neuem Eigenkapital ausstatten müssen. Dieses Kapital holt er sich von seinen Bürgern.
  1. Für die Target-2-Forderung von derzeit 923 Milliarden Euro bekommt die Bundesbank keine Zinsen.

Target-Forderungen werden mit dem Hauptrefinanzierungssatz der EZB verzinst, welcher von der Mehrheit der Target-2-Schuldnerländer auf null gesetzt wurde. Das Schlaraffenland lässt wieder grüßen. Die Höhe des Zinssatzes wird im EZB-Rat entschieden, in dem hat Deutschland nur eine Stimme, genauso wie Malta und Zypern, obwohl sie zusammen nur ein Neunzigstel der Wirtschaftskraft Deutschlands haben. Im EZB-Rat gibt es Rotationsphasen; gelegentlich hat der Groß-Zahler Deutschland sogar überhaupt kein Stimmrecht!

  1. Wie müsste eine  GmbH eine Forderung  bilanzieren, die ewig läuft, die nicht fällig gestellt werden darf und die einen Zinssatz trägt, der vom Schuldner selbst auf null Prozent festgelegt werden kann? Diese Forderung ist nichts wert und muss abgeschrieben werden! 
  1. Durch die Euro-Krisenpolitik der EZB hat es faktisch eine Vergemeinschaftung der Schulden in der Eurozone gegeben, obwohl dies durch den Maastricht-Vertrag ausgeschlossen wurde und von manchen deutschen Politikern wider besseres Wissen abgestritten wird.
  1. Schon die Geburtsstunde des Euro war ein “Rettungsschirm” für die Länder Südeuropas.  Als  der Maastrichter Vertrag geschlossen wurde, waren die Länder Südeuropas praktisch schon pleite. Italien, Spanien, Portugal mussten für ihre Staatsschulden Zinsen von 12 Prozent zahlen. Griechenland sogar von 25 Prozent pro Jahr. Die niedrigen Zinsen in der Eurozone hatten kurzzeitig einen künstlichen Boom in diesen Staaten ausgelöst – bis die Euro-Krise zuschlug und die Finanzierung der südeuropäischen Staaten nur noch über Krisenmaßnahmen und Target-2 gewährleistet werden konnte. Offiziell ist Target-2 ein Zahlungssystem, tatsächlich ist es auch ein Staatsfinanzierungssystem für Italien, Spanien und Portugal.
  1. Absurderweise sieht das Target-System keine Absicherung der Verbindlichkeiten vor. Viele nationale Notenbanken horten Gold-Bestände, die dafür verwendet werden könnten. Italien hat offiziellen Zahlen zufolge mit 2.451 Tonnen, die viertgrößten Goldreserven der Welt.  Aber dieses naheliegende Thema ist merkwürdigerweise nie auf der Tagesordnung der EU-Institutionen. Und die verschiedenen Bundesregierungen der letzten Jahre, hatten entgegen ihrem Amtseid („Nutzen mehren, Schaden vom deutschen Volk abwenden“) kein Interesse, deutsche Forderungen  abzusichern.
  1. Die Bundesbank hat bisher über das Target-2-System mehr als  923 Milliarden Euro verliehen. Für diesen Betrag haften die Staatsbürger und der  Bundestag hat weder darüber abgestimmt noch diskutiert. Das Target-2-System ist ein weiteres verdecktes Euro-Rettungsprogramm, jenseits demokratischer Kontrolle. Zum Vergleich: Die blanko vergebenen Target-Kredite sind fast drei Mal so hoch wie der  Bundeshaushalt 2018 mit 341 Mrd. Euro.
  1. Target-2 ist mittlerweile das heißeste Tabu-Thema der deutschen Politik. Politiker, die die Ausfallrisiken kennen, tun alles, um das Problem zu vernebeln. Deutsche Medien helfen ihnen dabei. Als demokratische Kontroll-Instanz versagen sie seit Jahren auf ganzer Linie. Statt das Handeln der Regierung neutral und kritisch zu begleiten, wirken sie als deren Propaganda-Abteilung. Ähnlichkeiten zu früheren DDR-Medien sind nicht zu übersehen. Wichtige Themen wie das sich anbahnende Target-2-Desater werden totgeschwiegen.
  1. Das Target-2-System ist eine tickende Zeitbombe. Um die  Zukunft  des  Euros steht  es nicht gut. Macron will, dass Deutschland noch mehr Gelder zur Verfügung stellt und Haftungen für andere EU-Staaten übernimmt. Manche deutsche Politiker signalisieren schon Zustimmung, anstatt dass sie erst einmal die Korrektur der Target-2-Schieflage einfordern würden. Über eine gemeinschaftliche EU-Einlagensicherung soll schon bald verhandelt werden. Zukünftig sollen deutsche Sparer auch für marode Banken in Südeuropa haften, so die Pläne vieler „EU-first-Politiker“.

Es wird immer wichtiger werden, Edelmetalle zu haben. Das sind die einzigen schuldenfreien Währungen dieser Welt! 

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